Interview
Was bedeutet für Sie LESEN?
Lesen ist ein Lebensmittel. Wie vor vielen, vielen Jahren als kleines Mädchen muss
ich noch immer alles Gedruckte oder Geschriebene lesen, das mir vor die Augen
kommt. In einem Land, dessen Schrift ich nicht kenne, fühle ich mich immer ein
bisschen wie ein Seefahrer ohne Kompass bei bewölktem Himmel.
Was bedeutet füe Sie SCHREIBEN?
Schreiben bedeutet für mich Stellung nehmen zu dem, was ist, Hoffnung aufrecht zu
halten auf das, was sein könnte.
Warum schreiben Sie gerade für Kinder und Jugendliche?
Weil ich die Kinder mag, weil ich von ihnen vieles gelernt habe, zum Beispiel und
ganz wichtig: Lachen über gar nichts, nur weil Lachen so schön ist.
Wie wichtig ist Ihnen beim Schreiben der/die Adressat/in (der/die unbekannte
Leser/in)?
Die unbekannte Leserin, der unbekannte Leser sind für mich die Menschen, die mit
ihren eigenen Erfahrungen, ihren eigenen Ängsten, ihren eigenen Hoffnungen meine
Geschichten zum Leben erwecken.
Gibt es Themen, die Sie nicht loslassen, die Sie schon öfters in Ihren Texten
angegangen sind?
Wer bin ich? Was bin ich wert? Wo stehe ich? Wie ist das mit der Gerechtigkeit? -
Das sind Fragen, die mich wohl nie in Ruhe lassen werden.
Meinen Sie, dass Geschichten die wirklichkeit beeinflussen und ändern können?
Ich denke, dass die Geschichten sich in den Köpfen der Einzelnen einnisten, Fenster
und Türen aufreißen können und vielleicht auch zeigen, dass in den Köpfen der
Leserinnen und Leser viel mehr an Schätzen verborgen ist, als sie selbst ahnen.
Wie fühlen Sie sich, während Sie an einem neuen Buch arbeiten?
Wenn ich an einem neuen Buch arbeite, bin ich neugierig, aufgeregt, oft entmutigt,
aber auch überrascht, wenn die Charaktere plötzlich die Regie übernehmen.
Welchen Stellenwert hat Humor für Sie?
Humor - vor allem in seiner leisen Form - ist ganz wichtig für mich, selbst dann,
wenn es um traurige Wirklichkeiten geht. Humor ist gewiss eine Überlebenstrategie.
Wären sie nicht Autorin, welcher Beruf wäre für Sie vorstellbar?
Wenn ich nicht Autorin wäre - das ist eigentlich gar nicht vorstellbar.
Kinderärztin wäre ich gern geworden, wenn der Weg dorthin nicht durch den
Seziersaal geführt hätte. Manchmal beneide ich LehrerInnen, die eine Klasse über
eine lange Zeit begleiten und nicht nur für eine Stunde oder einen Vormittag mit
den Kinder arbeiten dürfen.