Interview
Was bedeutet LESEN für Sie?
Lesen bedeutet für mich vor allem eins: Auf Lesereisen zu sein und meinem Publikum
aus meinen eigenen Werken etwas vorzutragen. Was man normalerweise unter Lesen
versteht, nämlich das Lesen von Büchern anderer Autoren, bedeutet mir sehr viel,
würde mir allerdings noch mehr bedeuten, wenn ich mehr Zeit zum Lesen hätte. Aber
weil ich zu viel lese, komme ich zu wenig zum Lesen.
Was bedeutet SCHREIBEN für Sie?
Schreiben bedeutet für mich Lust und Qual, die Gestaltung einer eigenen Welt, die
intensive Beschäftigung mit einem Thema, immer wieder arge Selbstzweifel und
schließlich eine schimmernde Freude, wenn das Werk fertig ist und gelungen scheint.
Warum schreiben Sie gerade für Kinder und Jugendliche?
Ich schreibe für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Meine Gedichte für Erwachsene
werden gern von Jugendlichen, meine Kinder- und Jugendbücher von Erwachsenen
gelesen.
Wie wichtig ist Ihnen beim Schreiben der/die Adressat/in (der/die unbekannte
Leser/in)?
Oft weiß ich gar nicht, an wen der Text sich richtet. Ich versinke in meinen Texten
und möchte, dass sie möglichst gut werden.
Gibt es Themen, die Sie nicht loslassen, die Sie schon öfters in Ihren Texten
angegangen sind?
In meinen Büchern kehren folgende Themen immer wieder: Liebe, Schwangerschaft, Tod,
Familiensituationen, Geschwisterpositionen, Träume, Enttäuschungen und neue
Hoffnung.
Meinen Sie, dass Geschichten die Wirklichkeit beeinflussen und ändern können?
Ich denke, dass die Literatur eine Auswirkung auf die Wirklichkeit hat. Aber es
wirken so viele Kräfte auf den Menschen ein, dass die Kraft der Literatur zu
schwach ist, um die Welt zum Positiven hin zu ändern.
Wie fühlen Sie sich, während Sie an einem neuen Buch arbeiten?
Beim Schreiben stürmen viele Gefühle auf mich ein, ich bin:
neugierig-kribbelig-ungeduldig-ärgerlich-zornig-selbstquälerisch-zweifelnd-verzweifelt-deprimiert-erschöpft-glücklich
Welchen Stellenwert hat Humor für Sie?
Für mich hat Humor einen großen Stellenwert. Lachen und Weinen gehören für mich
zusammen. Wenn ein Mensch nicht fähig ist, herzlich zu lachen oder echte Trauer zu
empfinden, hat für mich die Menschwerdung nicht statt gefunden.
Wären Sie nicht Autorin, welcher Beruf wäre für Sie vorstellbar?
Ich habe schon viele Berufe ausgeübt: Lehrerin, Sportlehrerin, Kinobesitzerin,
Kaffeesiederin, Hausfrau und Mutter, ... Ich könnte mir vorstellen unter anderem
auch als Schauspielerin, Tänzerin, Sängerin, Kabarettistin, Regisseurin,
Journalistin, Lektorin, Übersetzerin, Heilgymnastin, Innenarchitektin, aber auch
als Verkäuferin in einem Möbelgeschäft zu arbeiten.