Interview
Was bedeutet für Sie LESEN?
Eine Höhle. Alles, was draußen
ist, vergessen. Und dann in einen Geheimgang finden, in eine Welt, wo ich noch nie
gewesen bin. Und ohne Lesen auch nie hineingekommen wäre.
Was bedeutet für Sie SCHREIBEN?
Alltag und Besonders-Tag,
Freude und Frust, Seins-Momente und viele leere Kilometer, Existenz-Notwendigkeit
und größtmögliche Freiheit...
Warum schreiben Sie gerade für Kinder und Jugendliche?
Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Damit angefangen habe ich ja schon, bevor ich
selber Kinder hatte. Ich war mit einem Bildenden Künstler zusammen und kritzelte
beim Telefonieren ständig auf seinen Zeichenblock. So entstanden skurile Figuren,
mit denen sich fast automatisch eine Geschichte verband. Dass dies Geschichten für
Kinder waren - darüber dachte ich keine Sekunde nach! Geändert hat sich das erst,
als ich Mutter von drei Kindern wurde (heute - 2007 - 15, 10 und 8 Jahre alt). Sie
wollten dauernd etwas hören, also erfand und erzählte ich. Und irgendwann bin ich
einfach dabei geblieben, für Kinder und Jugendliche zu erzählen und zu schreiben.
Wie wichtig ist Ihnen beim Schreiben der/die Adressat/in (der/die
unbekannte Leser/in)?
Sehr wichtig! Ich bin in ständiger Zwiesprache
mit "ihm". Das funktioniert deshalb so gut, weil ich meine eigenen Kinder als Leser
(bzw. Zuhörer) "missbrauche". Zu den Verlagen gelangt nichts, was meine Kinder
nicht vorher begut- oder beschlechtachtet haben - und wenn sie beim Zuhören
zappeln, dann weiß ich: Zurück an den Start!
Gibt es Themen, die Sie nicht loslassen, die Sie schon öfters in Ihren
Texten angegangen sind? Ja. Ich "rutsche" immer wieder in den Raum der
Fantasie hinein, in dem man sich bewegen kann, wohin man immer auch will. Und sich
durch diese Bewegung auch stärken kann, für das, was außerhalb (im Alltags -
Zimmer) liegt. Nur ein Beispiel dazu: ein Abenteuer, das man in der Fantasie
besteht, hat keine Konsequenzen, wie etwa Verletzung oder gar Tod... Als zweites
immer wiederkehrendes Thema beschäftigen mich die Angst und der Mut. Die Angst
davor anders zu sein, und der Mut dazu zu stehen. Die Angst zu verlieren, und der
Mut loszulassen. Die Angst vor der Wut, und der Mut zu sagen: "Wut tut gut!"
(Natürlich nur, wenn man keinen damit verletzt!)
Meinen Sie, dass die Geschichten die Wirklichkeit
beeinflussen und ändern können?
Vielleicht sind Geschichten ein Weg
der kleinen Schritte. Man liest in einem Buch von einer Sache, die einen selbst
betrifft. Und eventuell hat der Autor/die Autorin eine Lösungsmöglichkeit dazu...
Manche Leser nun verwerfen diese Möglichkleit, andere probieren sie aus. Und damit
kann sich für sie etwas verändern (und langfristig auch für jene, die mit dem so
"veränderten" Menschen zu tun haben).
Wie fühlen Sie sich, während Sie an einem neuen Buch
arbeiten?
Rastlos. Chronisch nackenverspannt. Aber genauso auch voll unbändiger Vorfreude auf
das, was letztendlich dabei herauskommen wird.
Welchen Stellenwert hat Humor für Sie?
Das kann ich in einem
Satz beantworten: Nur wer über sich selbst lachen kann, lacht andere nicht aus!
Wären Sie nicht Autorin, welcher Beruf wäre für Sie
vorstellbar?
Diese Frage kitzelt spontan zwei "Flutschgedichte" aus mir (eins auf
"Österreichisch" und eins auf Vorarlbergerisch): Wenn ich nicht Autorin wär, wär
ich gerne: Millionär! Oder eine Kräuterhex`, die schon kräutelt, früh um sechs.
Forscherin wär auch nicht schlecht, Anwältin für Menschenrecht, Malerin, auch
Clini-Clown... Doch vor allem tät ich schaun: dass ich würd`, was ich schon bin:
nämlich Schrift-steller-in! Tät i nid schribä wür mr nur blibä - i schwörs bi mim
beasö: LEASA!