Heinz Janisch

Argentinierstrraße 30 A
1040 Wien
t: +43(0)1 / 50101 / 18
f: +43(0)1 / 50101 / 18
heinz.janisch@orf.at
 

Lebenslauf

Geboren 1960 in Güssing, im südlichen Burgenland
Studium der Germanistik und Publizistik in Wien
Seit 1982 freier Mitarbeiter beim ORF - Hörfunk
Erste Anfänge in der Ö 3-Jugendredaktion bei "ZickZack" und "Musicbox"
Ab 1984 Sendungen für die Reihe "Menschenbilder", die von Hubert Gaisbauer begründet wurde. Mitarbeit bei "Moment - Leben heute", "Radiokolleg", Ö 1-Extra" und andere Sendungen
Seit einigen Jahren verantwortlicher Redakteur der Reihe "Menschenbilder" und Gestalter vieler Porträts.
Moderator beim "Radiokolleg". Seit 1998 Gestalter der Reihe "Die Radiokolleg-Bibliothek", in der prominente Zeitgenossen Lieblingsbücher vorstellen. Eine Bibliothek der geliebten Bücher entsteht
Zahlreiche Veröffentlichungen als Autor. Mitglied der Grazer Autorenversammlung. Mehrere Literaturpreise, darunter zweimal der "Östereichische Kinder- und Jugenbuchpreis", "Wiener Kinderbuchpreis", u. a.

Honorare

€ 200,-- pro UE
Fahrt - und Übernachtungsspesen

Interview

Was bedeutet für Sie LESEN?

Eintauchen in viele Welten. Bücher sind für mich Wundertüten. Ich bin neugierig, lasse mich gern überraschen, freue mich auf jede neue, möchte sie sofort öffnen.. Ich habe beim Lesen viele Menschen und Wesen kennen gelernt , die zu meinem Leben dazugehören- vom kleinen Bären aus dem ersten Lesebuch über Zorro bis hin zum Kommissar Maigret.. Viele Figuren aus Büchern sind Lebensbegleiter geworden.

Was bedeutet für Sie SCHREIBEN?

.. das Leben spüren. Schreiben ist oft ein Glücksgefühl. Ich schreibe etwas auf -ein Gefühl, eine Beobachtung, eine Erinnerung - ich schaue genau hin, greife es an, koste es, hole es durchs Aufschreiben nahe heran. Ich muss es ja- Wort für Wort- wieder entstehen lassen. Durchs Schreiben- auch durchs Lesen - kann man etwas, das man erlebt hat, noch einmal intensiv spüren.

Warum schreiben Sie gerade für Kinder und Jugendliche?

..weil ich Kinder mag. Sie sind Anfänger im besten Sinn des Wortes. Sie fangen an zu leben, alles passiert zum ersten Mal und ist daher auch besonders intensiv -der erste Zorn, die erste Freude, die erste Liebe, der erste Schmerz.. Man darf ja nicht glauben, dass die "kleinen Kinder" kleine Gefühle haben. Im Gegenteil - wenn man klein ist, sind die Gefühle am größten und stärksten.

Wie wichtig ist Ihnen beim Schreiben der/die Adressat/in (der/die unbekannte Leser/in)?

Ich versuche mein erster Leser zu sein, will selber nicht fremd sein, in dem, was da steht. Dadurch hoffe ich, dass es auch für andere stimmig und verständlich ist. Wenn ich möchte, dass es auch für kleine Leserinnen und Leser verständlich sein soll, dann wähle ich sorgfältig die Worte und die Formulierungen, so dass die Texte greifbar bleiben. Ich kürze gern und viel, ich vertraue darauf, dass die Leser wenig Worte brauchen um ein bestimmtes Gefühl zu verstehen.

Gibt es Themen, die Sie nicht loslassen, die Sie schon öfters in Ihren Texten angegangen sind?

Ich schreibe oft über meine eigene Kindheit, über mein eigenes Kindsein, weil da viele Bilder im Kopf gespeichert sind. Es tauchen also immer wieder Erinnerungen an meine Kindheit im Südburgenland, an meine Großeltern, an den Bauernhof meiner Kindheit.... Ich habe schon als Kind Märchen geliebt, spiele auch heute noch gern mit vertrauten Märchenmotiven, die ich dann für mich neu zusammensetze. Das Schöne am Märchen ist ja diese Möglichkeit zur Veränderung, zur Verwandlung, die immerzu gegeben ist. Ein Wort, eine Zauberblume, eine Begegnung - und alles kann ganz anders sein.. Das macht Märchen so reizvoll.

Meinen Sie, dass Geschichten die Wirklichkeit beeinflussen und ändern können?

Geschichten können Menschen beeinflussen, sie nachdenklich machen und so ihren Blick auf die Wirklichkeit verändern. Das passiert leise, unauffällig, tief drinnen im Leser. Aber es passiert. Und es kann -nach außen hin- Konsequenzen im Handeln haben.

Wie fühlen Sie sich, während Sie an einem neuen Buch arbeiten?

Es ist aufregend -und man hat immer wieder das Gefühl, zu scheitern. Bis der Text fertig ist und man halbwegs zufrieden ist. Dann kommt die Vorfreude auf die Bilder, aufs fertige Buch. Wenn es dann da ist, dann hält man es in der Hand wie ein schönes, fremdes, kostbares Geburtstagsgeschenk..

Welchen Stellenwert hat Humor für Sie?

Humor sollte für jeden wichtig sein. Jeder freut sich, wenn er etwas zu lachen hat -im Leben, in der Literatur, in allen Bereichen. Ich liebe Bücher, die auf den Humor nicht vergessen.

Wären Sie nicht Autor / Autorin, welcher Beruf wäre für Sie vorstellbar?

Ich habe einen zweiten Beruf -ich bin Journalist beim Radio, also Radio-Reporter. Ich liebe diesen Beruf, lerne dabei viele faszinierende Menschen kennen. Ich bin mit meinen zwei Berufen durchaus zufrieden. Was mich auch noch reizen würde, das wäre z.B. die Arbeit beim Film. Ich könnte mir gut vorstellen, Dokumentarfilme über spannende Themen zu drehen. Z.B: Wie leben Menschen in anderen Ländern ?

Leseprobe

"Sigmund saß in seinem Nest.
Riesengroß war die Welt ringsum.
'Ich möchte fliegen können, so wie meine Eltern', dachte er.
Sigmund beugte sich weit vor.
Da kippte er aus dem Nest. er segelte durch die Luft.
'Hilfe!', wollte er rufen. Aber da schlug er schon hart auf dem Boden auf.
'ZACK BUMM!', machte es in seinem Kopf.
Als seine Eltern ihn fanden, saß Sigmund mit zerzaustem Gefieder im Gras.
'Wie geht es dir?', fragte seine Mutter besorgt.
'Zack bumm!', sagte Sigmund.
'Zack bumm?', fragte sein Vater.
Sigmund nickte.
'Zack bumm!', krächzte er kläglich.
Es klang so, als hätte jemand eine Tür zugeschlagen.
Sigmunds Eltern waren ratlos.
Sie gaben ihm zu essen. Sie kümmerten sich Tag und Nacht um ihn.
Sie ließen ihn nicht mehr allein. Sie brachten ihm das Fliegen bei.
Nur zwitschern, pfeifen und singen wie andere Vögel konnte Sigmund nicht mehr.
Er versuchte es immer wieder. Aber sobald er den Schnabel öffnete, war nur ein trauriges 'Zack bumm!' zu hören.
Sigmund wurde älter.
'Na, Zack bumm, wie gehts?', fragten die Tiere aus dem Wald, wenn sie ihn trafen.
Sie hatten sich längst an ihn und an sein 'Zack bumm!' gewöhnt.
Eines Tages kam ein alter, weißer Hase zu dem Baum,
auf dem Sigund wohnte.
Er holte ein Buch aus seiner Tasche und machte es sich
im Schatten der Äste gemütlich.
'Zack bumm! Zack bumm!', rief Sigmund laut.
Nach einer Weile blickte der Hase - er hieß Carl Gustav - zu ihm hoch.
'Du klingst irgendwie traurig', sagte er. 'Kannst du nicht zwitschern, so wie andere Vögel?'
Sigmund schüttelte den Kopf.
'Zack bumm!', klrächzte er leise.
Carl Gustav sah ihn nachdenklich an.
'Wir müssen etwas unternehmen, damit du wieder fröhlich wirst', sagte er. 'Komm morgen Mittag zu mir. Ich werde mir überlegen,
wie ich dir helfen kann.'

(aus: Zack bumm!, Verlag Jungbrunnen, Wien, 2000, Seite 2 - 15)

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