Interview
Was bedeutet für Sie LESEN?
Eintauchen in viele Welten. Bücher sind für mich Wundertüten. Ich bin neugierig,
lasse mich gern überraschen, freue mich auf jede neue, möchte sie sofort öffnen..
Ich habe beim Lesen viele Menschen und Wesen kennen gelernt , die zu meinem Leben
dazugehören- vom kleinen Bären aus dem ersten Lesebuch über Zorro bis hin zum
Kommissar Maigret.. Viele Figuren aus Büchern sind Lebensbegleiter geworden.
Was bedeutet für Sie SCHREIBEN?
.. das Leben spüren. Schreiben ist oft ein Glücksgefühl. Ich schreibe etwas auf
-ein Gefühl, eine Beobachtung, eine Erinnerung - ich schaue genau hin, greife es
an, koste es, hole es durchs Aufschreiben nahe heran. Ich muss es ja- Wort für
Wort- wieder entstehen lassen. Durchs Schreiben- auch durchs Lesen - kann man
etwas, das man erlebt hat, noch einmal intensiv spüren.
Warum schreiben Sie gerade für Kinder und Jugendliche?
..weil ich Kinder mag. Sie sind Anfänger im besten Sinn des Wortes. Sie fangen an
zu leben, alles passiert zum ersten Mal und ist daher auch besonders intensiv -der
erste Zorn, die erste Freude, die erste Liebe, der erste Schmerz.. Man darf ja
nicht glauben, dass die "kleinen Kinder" kleine Gefühle haben. Im Gegenteil - wenn
man klein ist, sind die Gefühle am größten und stärksten.
Wie wichtig ist Ihnen beim Schreiben der/die Adressat/in (der/die unbekannte
Leser/in)?
Ich versuche mein erster Leser zu sein, will selber nicht fremd sein, in dem, was
da steht. Dadurch hoffe ich, dass es auch für andere stimmig und verständlich ist.
Wenn ich möchte, dass es auch für kleine Leserinnen und Leser verständlich sein
soll, dann wähle ich sorgfältig die Worte und die Formulierungen, so dass die Texte
greifbar bleiben. Ich kürze gern und viel, ich vertraue darauf, dass die Leser
wenig Worte brauchen um ein bestimmtes Gefühl zu verstehen.
Gibt es Themen, die Sie nicht loslassen, die Sie schon öfters in Ihren Texten
angegangen sind?
Ich schreibe oft über meine eigene Kindheit, über mein eigenes Kindsein, weil da
viele Bilder im Kopf gespeichert sind. Es tauchen also immer wieder Erinnerungen an
meine Kindheit im Südburgenland, an meine Großeltern, an den Bauernhof meiner
Kindheit.... Ich habe schon als Kind Märchen geliebt, spiele auch heute noch gern
mit vertrauten Märchenmotiven, die ich dann für mich neu zusammensetze. Das Schöne
am Märchen ist ja diese Möglichkeit zur Veränderung, zur Verwandlung, die immerzu
gegeben ist. Ein Wort, eine Zauberblume, eine Begegnung - und alles kann ganz
anders sein.. Das macht Märchen so reizvoll.
Meinen Sie, dass Geschichten die Wirklichkeit beeinflussen und ändern können?
Geschichten können Menschen beeinflussen, sie nachdenklich machen und so ihren
Blick auf die Wirklichkeit verändern. Das passiert leise, unauffällig, tief drinnen
im Leser. Aber es passiert. Und es kann -nach außen hin- Konsequenzen im Handeln
haben.
Wie fühlen Sie sich, während Sie an einem neuen Buch arbeiten?
Es ist aufregend -und man hat immer wieder das Gefühl, zu scheitern. Bis der Text
fertig ist und man halbwegs zufrieden ist. Dann kommt die Vorfreude auf die Bilder,
aufs fertige Buch. Wenn es dann da ist, dann hält man es in der Hand wie ein
schönes, fremdes, kostbares Geburtstagsgeschenk..
Welchen Stellenwert hat Humor für Sie?
Humor sollte für jeden wichtig sein. Jeder freut sich, wenn er etwas zu lachen hat
-im Leben, in der Literatur, in allen Bereichen. Ich liebe Bücher, die auf den
Humor nicht vergessen.
Wären Sie nicht Autor / Autorin, welcher Beruf wäre für Sie vorstellbar?
Ich habe einen zweiten Beruf -ich bin Journalist beim Radio, also Radio-Reporter.
Ich liebe diesen Beruf, lerne dabei viele faszinierende Menschen kennen. Ich bin
mit meinen zwei Berufen durchaus zufrieden. Was mich auch noch reizen würde, das
wäre z.B. die Arbeit beim Film. Ich könnte mir gut vorstellen, Dokumentarfilme über
spannende Themen zu drehen. Z.B: Wie leben Menschen in anderen Ländern ?