Interview
Wie wichtig ist Ihnen beim Schreiben der/die Adressat/in (der/die unbekannte
Leser/in)?
Der Adressat / die Adressatin ist mir natürlich sehr wichtig. Vor dem Schreiben
eines Textes denke über die Alterszielgruppe - und damit über den Inhalt und Stil -
genauer nach, ebenso bei der Bearbeitung der Erstfassung. Das Schreiben selbst soll
hingegen "fließen", es ist ein Prozess, der sich vor allem aus dem Text selbst und
seinen inneren Notwendigkeiten ergibt.
Wären Sie nicht Autor, welcher Beruf wäre für Sie vorstellbar?
Von der Ausbildung her bin ich Gymnasiallehrer (Englisch, Religion). Auch eine
wissenschaftliche Laufbahn habe ich mir einmal vorstellen können. Seit mehr als
zwanzig Jahren arbeite ich jetzt als freier Autor - aber ist das Schreiben nicht
auch eine Art Erforschen, haben Lesungen neben dem literarischen nicht auch einen
pädagogischen Vermittlungsaspekt?
Welchen Stellenwert hat Humor für Sie?
Einen großen - im Schreiben wie im Leben auch. Echter Humor weckt innere
Leichtigkeit, kann uns zum Teil auch über schwierige Situationen hinweg helfen.
Aufgesetzten Humor, der eine Person oder Situation nicht ernst nimmt oder sogar
jemanden verächtlich macht, mag ich hingegen gar nicht.
Meinen Sie, dass Geschichten die Wirklichkeit beeinflussen und ändern können?
Ich glaube, sie können es indirekt tun. Geschichten können aufmerksame Menschen
sensibilisieren, ihr Bewusstsein feinfühliger machen, sodass sie dann vielleicht
anders denken und handeln - und so auch die Wirklichkeit verändern!
Wie fühlen Sie sich, während Sie an einem neuen Buch arbeiten?
Es ist wichtig, den richtigen Zeitpunkt zu finden, nicht zu früh, aber auch nicht
zu spät zu beginnen. Das ist Spannung und Vorfreude, manchmal gemischt mit Zweifel,
ob die Idee ein ganzes Buch trägt. Beim Schreiben ist es das Schönste, wenn man
sein Tagespensum geschafft hat - es ist ein gutes Gefühl, wenn die Kette von Szenen
und Ereignissen länger und länger wird...
Warum schreiben Sie gerade für Kinder und Jugendliche?
Kinder und Jugendliche sind nicht festgelegt und starr, sie sind auf die Zukunft
hin offen - und sie sind ein e h r l i c h e s Publikum, das sofort erkennen lässt,
ob ein Text bei ihnen Anklang findet oder nicht!
Gibt es Themen, die Sie nicht loslassen, die Sie schon öfters in Ihren Texten
angegangen sind?
Menschliches Zusammenleben, Frieden statt Streit, größere Behutsamkeit im Umgang
mit der Natur als unser aller Lebensgrundlage - aber auch einfach Spaß an der
Sprache, Spiel mit ihren Elementen.
Was bedeutet für Sie SCHREIBEN?
Schreiben bedeutet Spiel und Ernst, Reflexion und Fantasie, Lebensbegleitung und
Alltagsüberschreitung, Atemholen und Ausruf, ...
Was bedeutet für Sie LESEN?
Lesen schärft die Wahrnehmung, schafft innere freie Räume und macht uns flexibler.
Und natürlich ist es eine unabdingbare Voraussetzung für das eigene Schreiben, wenn
man sieht, wie andere Autorinnen und Autoren Personen zeichnen, Sprache formen,
Geschichten aufbauen.