Interview
Was bedeutet für Sie LESEN?
Lesen erinnert mich an Weihnachten. Wenn das Christkind heimlich alles vorbereitete
und mein Vater versuchte, meinen Bruder und mich mit Bilderbüchern abzulenken.
Später verkroch ich mich unter der Bettdecke und las stundenlang - oft mit
Taschenlampe, damit alle glauben, ich schlafe schon. Und heute sind Bücher gute
Freunde. Freunde, die mir andere Welten zeigen, die mich auf Abenteuer mitnehmen,
ich trösten, aufmuntern oder zum Lachen bringen. Lesen begleitet mich also schon
durch mein ganzes Leben.
Was bedeutet für Sie SCHREIBEN?
Schreiben war und ist mir sehr wichtig. Ich schreibe lieber als ich rede. Meine
Gefühle drücke ich lieber durch einen Brief aus, als in einem "Geständnis".
Manchmal schreibe ich mir auch etwas von der Seele.
Warum schreiben Sie gerade für Kinder und Jugendliche?
Keine einfache Frage. Darüber habe ich nie wirklich nachgedacht. Als
Hauptschullehrerin liegt es wohl einfach auf der Hand und es passt zu mir. Kinder
sind unsere Zukunft und Kinder sind das ehrlichste Publikum, das man sich nur
wünschen kann.
Wie wichtig ist Ihnen beim Schreiben der/die Adressat/in (der/die unbekannte
Leser/in)?
Es ist merkwürdig, aber ich schreibe wirklich so, als würden meine Leser direkt vor
mir sitzen. Ich stelle sie mir vor und sie sind ein wichtiger Teil, um ein Buch zu
schreiben. Ich habe auch "Testleser". Keine Geschichte kommt an den Verlag, wenn
ich nicht zuvor das OK von "meinen" Kindern erhalten habe.
Gibt es Themen, die Sie nicht loslassen, die Sie schon öfters in Ihren Texten
angegangen sind?
Es gibt schon Themen, die mich immer wieder beschäftigen, doch in meinen Büchern
geht es vor allem um Ratekrimis, also Verbrechen. Ich möchte aber durch meine
Bücher mithelfen, ein Bewusstsein für Gut und Böse zu entwickeln. Am Ende wird der
Böse überführt und das Gute siegt. Natürlich ist das im richtigen Leben nicht immer
so, aber Kinder sollen lernen, dass Verbrechen sich einfach nicht auszahlen.
Meinen Sie, dass Geschichten die Wirklichkeit beeinflussen und ändern können?
Das denke ich schon, denn sonst hätte es in der Geschichte nicht Buchverbrennungen
gegeben bzw. Verbote gegen bestimmte Bücher. Auch mir haben Bücher schon geholfen,
meine Wirklichkeit aus einer anderen Perspektive zu sehen.
Wie fühlen Sie sich, während Sie an einem neuen Buch arbeiten?
Begeistert und voller Elan. Manchmal auch erschöpft, aber auf alle Fälle übersehe
ich die Zeit, wenn ich ein Buch schreibe.
Welchen Stellenwert hat Humor für Sie?
Es ist wunderschön, aus ganzem Herzen zu lachen.
Wären Sie nicht Autorin, welcher Beruf wäre für Sie vorstellbar?
Ich bin Lehrerin, allerdings ohne Anstellung. Ein Beruf mit Kindern ist für mich
sehr wichtig!