Dr. Gerald Jatzek

Rüdigergasse 27/26
1050 Wien
 

Honorare

€ 180,- pro Lesung mit Musik (Gitarre und mandoline oder Mandola, Autoharp, Mundharmonikas, Bnajo)
€ 160,- ab der vierten Lesung
Fahrt- und Übernachtungsspesen

Schreib- und Musikwerkstätten, Fortbildungsveranstaltungen für Lehrer/innen nach Vereinbarung

Lebenslauf

Gerald Jatzek lebt als Autor, Journalist und Musikant in Wien und auf Reisen, wo er mit Wörtern, Tönen und Gedanken spielt.

  • geboren 1956; aufgewachsen in Wien
  • 1972-1986 diverse Tätigkeiten wie Korrektor,    Nachhilfelehrer, Briefträger, Chemiehilfsarbeiter, Kolporteur, Lagerarbeiter, Plakatmaler, Straßenmusiker, Putzmann, Ghostwriter für Uniarbeiten, Nachtportier
  • 1976 Reise nach Afghanistan, Indien und Nepal
  • ab 1976 freiberufliche Tätigkeit als Schriftsteller, Journalist und Musikant. Veröffentlichungen: Bücher für Kinder und Erwachsene, Sachbücher, Songs, Hörspiele (ORF, BR, SFB), Drehbücher (ORF), Kabarett, Kindertheater, Essays
  • 1981 Promotion aus Pädagogik und Publizistik
  • 1985 bis 1988 als pädagogischer Assistent verantwortlich für das Kursangebot einer Volkshochschule
  • Internationaler Kinderhörspielpreis des ORF 1988
  • ab 1997 Online-Redakteur und Webdesigner der Wiener Zeitung
  • 2001 Staatspreis für Kinderlyrik
  • Ab 2004 Mitglied des Kabarettensembles Echo der Heimat

Interview

Was bedeutet für Sie LESEN?

Etwas über die Welt erfahren.

Was bedeutet für Sie SCHREIBEN?

Meine Gedanken, Gefühle und Erfahrungen in eine verständliche Form zu bringen

Warum schreiben Sie gerade für Kinder und Jugendliche?

Weil sie neugieriger sind als die meisten Erwachsenen.

Wie wichtig ist Ihnen beim Schreiben der/die Adressat/in (der/die unbekannte Leser/in)?

Sehr. Ich erzähle Geschichten beim Lesen, beim Singen, beim Schreiben. Welchen Sinn hätten Geschichten, die niemand versteht? Vieles, das mich beeinflusst hat, wurde lange Zeit mündlich weitergegeben, von den Sprechstellern der Antike, von Folksängern, von arabischen Hakawati... Dementsprechend wichtig ist es, den Vortrag von Geschichten, Gedichten, Liedern dem Ort und dem Publikum anzupassen.

Gibt es Themen, die Sie nicht loslassen, die Sie schon öfters in Ihren Texten angegangen sind?

• Wie prägt eine Sprache unsere Sicht der Welt? • Warum gibt es Menschen, denen Lernen keinen Spaß macht? • Wie ist das Verhältnis zwischen "Leitkulturen" und Außenseitern?

Meinen Sie, dass Geschichten die Wirklichkeit beeinflussen und ändern können?

Ja.

Wie fühlen Sie sich, wenn Sie an einem neuen Buch arbeiten?

Es gibt mehrere Phasen: 1. Begeisterung über erste ideen und Formulierungen 2. Skepsis, ob das alles zusammenpasst. 3. Konzentration beim Recherchieren und Schreiben; Freunde, wenn etwas gelingt; Ärger, wenn ich nach der dritten Fassung eines Teiles noch immer unzufrieden bin. 4. Strenges Ausschalten aller Gefühle beim Lektorieren der eigenen Arbeit. 5. Beim Überprüfen des gesamten Textes: a. Zufriedenheit, wenn das (und mehr) vermittelt wird, was ich in 1. geplant habe. b. Oder Bedenken, weil das nicht der Fall ist und Rüclkkehr zu Punkt 2.

Welchen Stellenwert hat Humor fürSie?

Er sichert das Überleben.

Wären Sie nicht Autor, welcher Beruf wäre für Sie vorstellbar?

Musiker, Reiseführer, Ethnologe, Erwachsenenbildner, Programmierer, Linguist.

Leseprobe

Die Schulglocke läutete
und die Scheinwerfer gingen an.
Ein dicker Mann
mit einer spiegelnden Glatze
trat auf die Bühne.
Der Herr Direktor Blümlinger.
Jedes Jahr hielt er die gleiche Rede
für die Schulanfänger.
Jedesmal sprach er
von den schönen Schultüten
und vom Ernst des Lebens.
Kuno grinste in seinem Versteck.
Für dieses Jahr
hatte er sich etwas ausgedacht.
Der Herr Direktor Blümlinger
verbeugte sich und sagte:
"Liebe Kinder! Liebe Erwachsene!"
Kuno zwinkerte,
und der Direktor fuhr fort:
"Ich bin das Blümlein Direktinger."
Ein paar Leute blickten auf.
"Äh, Entschuldigung",
sagte der Direktor.
"Ich bin das direkte Blümlein,
nein, der Blumen-Inspektor."
Ein paar Kinder lachten.
Kuno zwinkerte abermals,
und der Direktor sprach weiter:
"Also ihr habt ja
besonders schöne Schulblüten."
Nun lächelten auch die Erwachsenen.
"Äh, Schulhütten meine ich",
sagte der Direktor schnell.
"Nein, Schaltüten, Schulschnitten,
Stuhlhüte, Hutstühle..."
Es kamen einfach immer
die falschen Wörter aus seinem Mund.
Die Leute bogen sich vor Lachen.
Ein frecher Bub
steckte sogar zwei Finger in den Mund
und ließ einen schrillen Pfiff los.
Und Kuno zwinkerte wieder.
Der Schweiß glänzte
auf der Glatze des Direktors.
"Liebe Rinder!"
rief er verzweifelt.
"Heute beginnt der Ernst des Klebens.
Nein, der Ernst des Bebens.
Nein, des Gebens, des Hebens,
des Schwebens, des Webens..."
Er redete noch weiter,
aber seine Worte
gingen im Beifall unter.
Die Erwachsenen klatschten,
die Kinder trampelten mit den Füßen.
Und alle schrien "Bravo!"

(aus: Kuno,dasSchulgespenst,Erzählung plus Rätsel, Noten und Basteltips, Gabriel, Gabriel, Stuttgart, 5. Auflage 2005, S. 8 ff.)

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