Interview
Was bedeutet für Sie LESEN?
Lesen bedeutet für mich Eintauchen und Abdriften in andere Welten, in fremde,
poetische, kühne, experimentelle, künstliche, spannende, fantastische,...
Was bedeutet für Sie ILLUSTRIEREN?
Die Auseinandersetzung mit Text, also Inhalt / Sprache / Zeichen, das Spiel mit
Farben, Formen und Ideen. Illustrieren ist für mich vergleichbar mit Übersetzen:
also translatio von Text in Bildsprache.
Warum zeichnen Sie gerade für Kinder und Jugendliche?
Ich erinnere mich gerne an meine eigene Kindheit, die behütet und umsorgt war. Die
wenigen bebilderten Bücher, die ich damals besaß, habe ich geliebt und geschätzt.
Sie haben mich gefangen genommen, mich unterhalten, mich beschäftigt und meine
Neugierde geweckt. Und ein bisschen von diesen Gefühlen versuche ich weiterzugeben.
Wie wichtig ist Ihnen beim Illustrieren der/die Adressat/in (der/die unbekannte
Leser/in)?
Er ist mir eigentlich nicht unbedingt wichtig. Wenn ich in meine Arbeit verstrickt
bin, dann vergesse ich meine Umgebung.
Gibt es Themen, die Sie nicht loslassen, die Sie schon öfters in Ihren
Illustrationen angegangen sind?
Ja: Ungerechtigkeit, soziale Ausgrenzung, Krieg, - aber auch Spaß und Nonsens, ...
Meinen Sie, dass Geschichten die Wirklichkeit beeinflussen und ändern können?
In den 60er und 70er Jahren habe ich tatsächlich gemeint, dass auch Bücher dazu
beitragen könnten, die Welt zu verändern. Heute bin ich wesentlich pessimistischer.
Vielleicht kann Sensibilität geschärft werden, vielleicht kann das Auge geschult
werden, vielleicht kann Neugierde auf Andere / Anderes geweckt werden, vielleicht
kann ein prekäres Thema ins Blickfeld gerückt werden - aber die Welt verändern
können Bücher nicht.
Wie fühlen Sie sich, wenn sie an einem neuen Buch arbeiten?
Glücklich!
Welchen Stellenwert hat Humor für Sie?
Humor ist wichtig - ich würde ihm einen hohen Stellenwert einräumen wollen -
gleichzeitig muss ich gestehen, dass ich davon nicht allzuviel habe - leider.
Wären Sie nicht Illustratorin, welcher Beruf wäre für Sie vorstellbar?