Maria Linschinger

Uferstraße 93
4801 Traunkirchen
t: +43(0)7617 / 2977
maelis@gmx.net
 

Lebenslauf

1946 in Jenbach/Tirol geboren
Handeslakademie in Innsbruck
Pädagogische Akademie in Salzburg und Linz
1974 bis 2001 Volksschullehrerin in Altmünster am Traunsee

Fernstudium der Pädagogik
Verheiratet, Sohn und Tochter
Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften
Bücher für Kinder und Jugendliche
Texte in Sammelbänden
Bücher für Erwachsene unter dem Preudonym Maria Eliskases

Vorlesegeschichten:

"Josefine schaut hinaus" mit Illustrationen von Martina Badstuber
im Gecko-Heft Nr. 14, 2009

"Nixe NIXDA" mit Illustrationen von Hendrik Jonas
im Gecko-Heft Nr. 30, 2012

Das Foto der Autorin:"2012 aus meiner Schreibstube", Fotograf Franz Linschinger

Honorare

€ 165,- pro Einheit
Fahrt- und Übernachtungsspesen

Interview

Was bedeutet für Sie LESEN?

Lesen regt meinen Gedankenfluss an, es bereichert mein Wissen über Menschen und ihre Gefühle und ihr Zusammenleben, es befriedigt meine Neugier auf die Welt und ihre Geheimnisse, es hilft mir in die Vergangenheit zurückzuschauen, die Gegenwart besser zu verstehen und auf die Zukunft zu vertrauen.

Was bedeutet für Sie SCHREIBEN?

Beim Schreiben ordne ich meine Gedanken. Indem ich schreibe, baue ich mit der Sprache etwas auf, was vorher nicht bestanden hat. Ich kann mir eine Wirklichkeit erfinden, die außerhalb meines Lebens liegt und trotzdem zu mir gehört.

Warum schreiben Sie gerade für Kinder und Jugendliche?

Ich habe viele Jahre mit Kindern gelebt und gearbeitet und dabei erfahren, wie sehr sie sich über Geschichten freuen, wie gern sie Abenteuer im Kopf erleben und wie eifrig sie mit ihrer eigenen Fantasie weiterfabulieren. Es kann gar nicht genug Geschichten geben, deshalb schreibe ich weiter. Auch für erwachsene Leute.

Wie wichtig ist Ihnen beim Schreiben der/die Adressat/in (der/die unbekannte Leser/in)?

Wenn ich eine Geschichte schreibe, ist es die Freude an der Geschichte selbst, die mich antreibt. Aber es kann vorkommen, dass ich einem Kind begegne, während ich an einem Text arbeite, dann habe ich es beim Schreiben vor Augen und erzähle für dieses Kind. So wie ich Geschichten für meine Tochter geschrieben habe, die sie als erste lesen durfte. Bei den Texten für den Unterricht schrieb ich immer für die jeweilige Schulklasse, die ich gerade unterrichtete. Die Mädchen und Buben kamen mit ihren Namen in den Geschichten vor, deshalb beeilten sie sich gute Leser zu werden. Das war besonders bei den Erstklasslern wichtig. Bis zum Ende des Schuljahres entstand jeweils ein spezielles "Klassenbuch".

Gib es Themen, die Sie nicht loslassen, die Sie schon öfters in Ihren Texten angegangen sind?

Kinder, mit denen nicht genug geredet wird, Kinder, die einen geheimen Kummer mit sich herumtragen, Jugendliche, die sich von den Erwachsenen missverstanden fühlen und Hilfe bräuchten, Menschen, die einsam sind.

Meinen Sie, dass Geschichten die Wirklichkeit beeinflussen und ändern können?

Ich glaube, dass Geschichten unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit beeinflussen können, aber nicht die Wirklichkeit selbst. Lesen kann unsere Einstellung, unsere innere Haltung beeinflussen. aber etwas verändern können wir nur, indem wir etwas tun, lesen und denken allein genügt nicht.

Wie fühlen Sie sich, während Sie an einem neuen Buch arbeiten?

Jede neue Arbeit gibt mir einen innerlichen Schubs in eine neue Richtung, ich denke unaufhörlich an die Figuren und an die Handlung der Geschichte, an die nächsten Ereignisse, und ich muss zwischendurch meine Ideen notieren, damit sie mir nicht wieder entwischen. Wenn aus irgendeinem Grund eine Arbeitspause entsteht, dann bin ich ärgerlich und zappelig. Aber manchmal muss ich auch abschalten und für ein Weilchen aus der Geschichte "aussteigen", dann lese ich Bücher von anderen Autorinnen und Autoren oder ich erhole mich, wenn ich mit meiner Familie beisammen bin, wenn ich ins Kino gehe oder mir im Fernsehen einen Film anschaue. Musik hören lenkt mich ab, mitsingen und tanzen erfrischt. Nur Spazierengehen nützt nichts, denn beim Gehen kann ich mir Dinge besonders gut ausdenken, und meistens habe ich dann keinen Block bei mir um die Einfälle aufzuschreiben.

Welchen Stellenwert hat Humor für Sie?

Ein Buch zu lesen, indem kein Humor zu spüren ist, ermüdet und betrübt mich. Allein oder gemeinsam über humorvolle Stellen in Geschichten zu lachen, macht mich froh. Wenn mir jemand sagt, er habe beim Lesen eines Textes schmunzeln müssen, freue ich mich sehr.

Wären Sie nicht Autorin, welcher Beruf wäre für Sie vorstellbar?

Als ich in Innsbruck die Handelsakademie besuchte, langweilte ich mich in manchen Fächern sehr, weil sie mich überhaupt nicht interessierten. Ich mochte nur den Unterricht in Deutsch und in den Fremdsprachen. Musik und Zeichnen gab es an diesem Schultyp gar nicht. In der Freizeit nahm ich Schauspielunterricht und machte in Wien die Bühnenprüfung. Ein unangenehmes Erlebnis mit einem Intendanten hat mich dann abgeschreckt, und ich habe mich bei keinem Theater beworben, sondern die Ausbildung zur Volksschullehrerin begonnen und die Pädagogische Akademie absolviert. Als ich heiratete und einen Sohn und eineTochter bekam, dachte ich nicht mehr an die Möglichkeit Schauspielerin zu sein. Deutsch, Musik und Englisch habe ich am liebsten unterrichtet. Ich bin zufrieden mit meinen Berufserfahrungen. Jetzt freut mich am meisten die Arbeit als Autorin.

Leseprobe

     

Herr Pomeranz war ein unauffälliger Mann, nicht zu groß
und nicht zu klein, nicht zu dünn und nicht zu dick. Er war
weder alt noch jung und hatte keine besonderen Eigenschaften,
nicht einmal eine Glatze. Wer ihn sah, vergaß ihn gleich wieder.

Herr Pomeranz wohnte allein in einem Haus außerhalb
der Stadt. An seinem Gartentor endete die Buslinie B.
Niemand fuhr so weit aus der Stadt hinaus wie er.
Und niemand stieg hier ein, außer Herr Pomeranz.

Alles, was er am Morgen sagte, war "Guten Morgen!"
zum Buschauffeur, und am Abend sagte er "Guten Abend!",
ebenfalls zum Buschauffeur. Natürlich nur an Werktagen,
samstags und sonntags fuhr er nicht mit dem Bus.

Seit vielen Jahren arbeitete er in einem Lagerhaus.
Er führte Buch über alle Ein- und Ausgänge. Früher schrieb er
mit Stiften auf breiten, weißen Bögen in schmalen Spalten,
neuerdings tippte er die Buchstaben und Zahlen in
den Computer ein. Das ging schneller.

Herr Pomeranz machte keinen Fehler, er war gewissenhaft
und genau. Der Chef war sehr zufrieden mit Herrn Pomeranz.
Bis auf eine Kleinigkeit.

Und hier beginnt unsere Geschichte. Die Geschichte, wie
Herr Pomeranz lachen lernt. Denn das war das Einzige,
was einem auffiel, wenn man diesen Mann kannte:
Er lachte nie.

Herr Pomeranz trat eines Morgens aus dem Haus, versperrte
die Tür und stieg die drei Stufen hinunter auf den Gartenweg.


(aus: Herr Pomeranz lernt lachen, Bibliothek der Provinz, Weitra, Wien, 2018, Seite 6)

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